Nortorf. Bei der Freisprechungsfeier der Landesinnung für Raumausstatter und Sattler Schleswig-Holstein im Gasthof Ritzebüttel in Nortorf erhob Obermeister Peter Todt 19 Nachwuchskräfte aus dem gesamten Norden – von Sylt bis Rostock – mit dem traditionellen Schafferstab und den Worten „In Ehrbarkeit, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit“ in den Gesellenstand. Gleichzeitig haben zehn neue Auszubildende ihre Lehrzeit begonnen, von denen zwei anwesend waren. Die Ausbildung dauert drei Jahre.
Nach der Freisprechung erhielt jeder Absolvent eine traditionelle Pfeife mit einem rot-blau-goldenen Band. Rot steht für die Liebe zum Beruf, Blau für die Treue zum Handwerk und Gold symbolisiert den Meistertitel als höchste Stufe des Handwerks. Als Innungsbeste wurde in Abwesenheit Merle Biegus benannt, sie absolvierte ihre Ausbildung bei Raumausstattung Pöppel in Lübeck. Die zweitbeste Prüfung legte Finja Bienemann ab (Adolf Rademann, Kiel), den dritten Platz belegte Laura Jolina Sörnsen (Peter Mendel, Süderbrarup).
Vom Boden bis zur Wand
Wie anspruchsvoll die Ausbildung ist, zeigte die Gesellenprüfung. Eine Aufgabe bestand darin, Teppichintarsien anzufertigen. Dabei mussten Motive millimetergenau aus Teppichmaterial ausgeschnitten und passgenau in einen Bodenbelag eingesetzt werden. Die Ergebnisse reichten von Flip-Flops bis zu einem Hirschgeweih – entscheidend war jedoch nicht das Motiv, sondern die Präzision jedes einzelnen Schnittes. Außerdem mussten die Prüflinge Stoffe zuschneiden, um daraus Sicht- und Sonnenschutz und Dekoration zu vernähen, Polsterarbeiten ausführen und Wände bespannen.
Dekoration
Für die zweitplatzierte Finja Bienemann lag der Schwerpunkt auf Licht-, Sicht- und Sonnenschutz sowie Dekoration. Die 27-Jährige lebt in Kiel und hatte zuvor bereits Erfahrungen im sozialpädagogischen Bereich gesammelt, bevor sie sich bewusst für das Handwerk entschied. „Mich hat die Vielfalt und Kreativität des Berufs fasziniert“, sagt sie. „Man macht jeden Tag etwas anderes, arbeitet mit unterschiedlichen Menschen, führt Kundengespräche und ist ebenso in der Werkstatt tätig.“
Echtes Polstern
Die Drittplatzierte Laura Jolina Sörnsen spezialisierte sich auf das Polsterhandwerk. „Man entwickelt ein Auge fürs Detail. Man muss sehr genau arbeiten“, beschreibt die 23-Jährige ihren Beruf. Besonders gern polstert sie Möbel traditionell mit Federn und Schnürungen in klassischem Aufbau. Gleichzeitig gehören auch das Nähen von Vorhängen und andere Dekorationsarbeiten zu ihrem Arbeitsalltag.
Es ist zwar lange her, aber Obermeister Peter Todt war es dennoch ein Anliegen: Die einst nicht zustande gekommene Freisprechung von Enno Frerichs aus Rendsburg– mittlerweile Raumausstattermeister – hat er nach über drei Jahrzehnten feierlich nachgeholt. Die Freisprechungsfeier zeigte die große Bandbreite des Raumausstatter- und Sattlerhandwerks. Mit der gleichzeitigen Einschreibung der neuen Auszubildenden setzte die Landesinnung zugleich ein Zeichen für die Zukunft des Gewerks.
Text + Bild: A. Bury/Kreishandwerkerschaft MH