Landesgütegemeinschaft SH

Ein neuer Vorsitzender, ein neues Portal und jede Menge Motivation

Neuigkeiten gab es bei der Mitgliederversammlung der Landesgütegemeinschaft SH

Stühlerücken im Vorstand der Gütegemeinschaft Schleswig-Holstein: Bei ihrer Versammlung am 15. November wählten die Mitglieder in offener Abstimmung einstimmig Lauritz Stolle (SGAT Spritzbeton Gussasphalt Abdichtung HWP GmbH, Hamburg) zum neuen Vorsitzenden. Er löst Hans-Georg Müller ab, der sich nach acht Jahren im Vorsitz nicht mehr zur Wahl stellte. „Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, aber wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören“, erklärte Müller. Geschäftsführer Carsten Bruhn lobte Müllers Engagement: „Ihm gilt unser großer Dank, die Gütegemeinschaft lebt vom Ehrenamt. Seit 2014 hat Hans-Georg Müller als Überwacher und Planer den Vorsitz inne gehabt, Mitglied in der BGIB ist er seit 24 Jahren.“ Nachfolger Lauritz Stolle, gebürtiger Gelsenkirchener, schilderte seine Bereitschaft zur Übernahme des Amts: „Ich möchte mit meiner Tätigkeit im Ehrenamt unsere Branche unterstützen und zugleich über den Tellerrand hinaus schauen.“

Außerdem wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt: Stellvertreter Jörg Specht (Johannes Specht Bauunternehmen GmbH u Co. KG, Bad Segeberg) und Beisitzer Timo Ullrich (ABV Bau Ullrich, Neumünster). Zum Kassenprüfer wurden ebenfalls einstimmig Sönke Kähler (Kähler Bau GmbH & Co. KG, Büsum) und in Abwesenheit Klaus Ullrich (ABV Bau Ullrich GmbH, Neumünster) gewählt.

Digitales FÜ-Portal bündelt, vereinfacht und beschleunigt Prozesse

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren viel damit beschäftigt und ich habe es mir schon lange gewünscht – nun ist das digitale Portal zur Fremdüberwachung (FÜ) im Versuchsstadium. Jeder Euro in die Entwicklung des Portals ist gut investiert“, sagte Hans-Georg Müller einleitend zum Vortrag von Diplom Ingenieur Uwe Grunert mit dem Thema „Die Zukunft der Fremdüberwachung – das digitale FÜ-Portal“. Der Leiter der Prüf-und Überwachungsstelle der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. (BGIB) stellte das neue online FÜ-Portal vor. Uwe Grunert schilderte die Ausgangslage: „Seit 36 Jahren gibt es das System der Fremdüberwachung. Aber wir müssen moderner und schneller werden und damit den Firmen entgegen kommen.“ Die Anzahl an FÜ-an Baustellen sei in die Höhe geschnellt, weit über 800 Aufträge pro Jahr müssten zurzeit noch analog bearbeitet werden. „Die Anzahl der Fremdüberwachung übersteigt die personelle Kapazität“, so Grunert.

Testphase läuft

Das Portal ist fertig, seit April läuft eine Testphase mit einigen Firmen und Prüfern. Die Programmier-Firma wurde im Rahmen einer Ausschreibung gefunden, in gemeinsamen Workshops wurde ein  114 Seiten umfassenden Pflichtenheft erstellt.

Das neue Portal bietet die Möglichkeit, dass überwachungspflichtige Baustellen vom PC aus koordiniert werden und zur Fremdüberwachung angemeldet werden können. Dabei wird der gesamte Prozess der FÜ digital organisiert, Protokolle, Bautagesberichte, Bilder und Qualifikationen von Mitarbeitern können in digitalen Ordnern hinterlegt, Prüfberichte und Rechnungen können als pdf direkt im Portal erstellt und nach draußen versendet werden. Zudem ist der jeweils aktuelle Status der Baustelle einsehbar.

Akteure im Portale sind Mitglieder einer Landesgütegemeinschaft (LGG) oder der Bundesgütegemeinschaft Betonflächeninstandsetzung (BFI) aber auch Nichtmitglieder, die eine Baustelle anmelden und prüfen lassen wollen. Außerdem können Unternehmen teilnehmen und Personen für die Baustellen verwalten. Auch die Prüfer haben Zugriff und hinterlegen die Ergebnisse der Überwachung digital. Die LGG / BFI erhebt Statistiken und versucht, Mitglieder zu gewinnen. Zum Thema Datenschutz betonte Grunert: „Das Rechtemanagement ist sehr komplex. Als Prüfstelle sind wir zur Geheimhaltung verpflichtet.“ Jede Firma und jeder Prüfer sehe auch nur die sie betreffenden Daten.

FÜ aus dem Bauwagen heraus

Neu hinzugekommen sei die Prozessbegleitung einzelner Bauabschnitte. „Jeder Schritt ist gut nachvollziehbar und transparent“, so Grunert. Auf den direkten Kontakt mit dem Bauleiter auf der Baustelle werde Wert gelegt. Ein weiteres Plus seien die niedrigschwelligen Anforderungen an die Nutzer: Lediglich eine stabile Internetverbindung und ein aktueller Browser werden gebraucht. Aktuell funktioniert die Anwendung vom PC aus. „Geplant ist aber eine Handy-App, damit  man sich direkt aus dem Bauwagen heraus anmelden kann“, erläuterte er weiter. Getüftelt wird zudem daran, das Programm herunterladen und offline bedienen zu können.

Weniger Meckern – mehr Motivieren

Im zweiten Fachvortrag sensibilisierte die Coacherin Alexa Kuhnke aus Kiel die Teilnehmer für die „Mitarbeiterbegeisterung“. „Zuviel Gemecker und ein zu starker Fokus auf Fehler demotiviert. Die positive Brille aufzusetzen, wenn ein negativer Eindruck entstanden ist, fällt schwer“, gab die Coacherin zu. Allerdings ermunterte sie die Führungskräfte dazu: „Führung fängt immer bei ‚Ich‘ an. Steigen Sie ein die Selbstreflexion.“ Anerkennung und fundiertes Lob für konkret benannte Arbeit motiviere Mitarbeiter. Kritik müsse so konkret wie möglich benannt werden, und wenn die Kritik positiv aufgenommen und umgesetzt wurde, müsse die Führungskraft das anerkennen. „Sonst scheitert die Weiterentwicklung“, so die Expertin.

Will man erreichen, dass die Mitarbeiter bestimmte schlechte Angewohnheiten wie Unpünktlichkeit, Nicht-Mitdenken oder Unsauberkeit im Arbeitsalltag ablegen, sollte eine Erwartungsliste her, die klar definierte Ziele setze. „Das ist ganz wichtig!“, so Alexa Kuhnke.

Sie plädierte eindringlich: „Nehmen Sie sich Zeit für die Selbstreflexion, gehen Sie mit Stift und Block in die Natur und schauen Sie nach Ihren Stärken und denen des Teams.“

Landesgütegemeinschaft muss attraktiver werden

Der grundsätzliche Tenor bei der Mitgliederversammlung war, dass die LGG soll wieder attraktiver werden muss. „Die Landesgütegemeinschaft war einst sehr angesehen und ein Qualitätsausweis. Da müssen wir wieder hin“, meinte Sönke Kähler.

Bildergalerie "Mitgliederversammlung am 15.11.2022"


Landesgütegemeinschaft SH ernennt Jörg Specht zum Ehrenvorsitzenden

Ehrung erfolgte anlässlich der Mitgliederversammlung

Auf der Mitgliederversammlung der Landesgütegemeinschaft SH am 28.01.2020 wurde Jörg Specht (Johannes Specht Bauunternehmen GmbH u Co. KG) zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Jörg Specht war von 1990 bis 2015 Vorsitzender der Landesgütegemeinschaft SH. 
Weiter wurde Hans-Georg Müller (Vorsitzender) und Jörg Specht (Stv. Vorsitzender) einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Zum Beisitzer wurde Herr Timo Ullrich (ABV Bau Ullrich, Neumünster) gewählt. Frau Kathrin Hupfer wurde einstimmig in den Planerausschuss der BGG gewählt. 


2. BWI-Forum der Landesgütegemeinschaft SH

Betoninstandsetzung zwischen Nord- und Ostsee

„Der Benz wird ohne Murren zur Wartung geschickt, das Haus nicht!“ Björn Marucha, im Norden zuständig für die Firma Sika Building Trust, spricht eine deutliche Sprache. Viele Eigentümer gehen immer noch davon aus, dass Beton eine Ewigkeit lebt und verkennen die Gefahren durch Korrosion der Tragstähle und die zu geringe Betonüberdeckung der frühen Baujahre. „Gerade die Rampen in Parkhäusern sind heutzutage die Achillesferse“, ergänzt er. Wichtig sei heute bei der Betoninstandsetzung eine schnelle Abhärtezeit der Beschichtung. „Stellen Sie sich vor, sie besitzen ein Parkhaus und müssen über Wochen und Monate ihre Mieter kündigen, weil die Renovierung so lange dauert, das sind dann erhebliche Verluste, gerade in den Innenstadtbereichen, wo der Parkraum sowieso knapp ist.“ Dem pflichtet Mitbewerber Dirk Bockgreitens von Fa. Disbon völlig bei. Leistungsfähige und attraktive Beschichtungssysteme für den grauen Beton bietet er auf dem 2. BWI-Forum in Schleswig-Holstein an. „Wir sind in diesem Jahr das erste Forum bundesweit zur Bauwerkinstandsetzung“, betont Hans-Georg Müller, Vorsitzender der Landesgütegemeinschaft Schleswig-Holstein e.V. Das Fachsymposion fand am 24. Januar von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr im Hotel „Altes Stahlwerk in Neumünster statt. Hier trafen sich 60 Teilnehmer, um sich auf den aktuellen Stand der Technik bringen zu lassen und von Fachvorträgen zu profitieren. 

Die Teilnehmer kamen aus allen Bereichen, 27 ausführende Betriebe, 14 Planungsbüros und 13 Zulieferer waren vertreten. Zunächst führte Dipl. Ing.  Bernd Stark von der Fa. Oemig und Partner in die Welt des Brandschutzes bei Betonbauwerken ein. Spätestens seit den Ereignissen von 9/11 in New York, als für unbrennbar eingeschätzte Hochbauten durch den Angriff arabischer Terroristen wie Kartenhäuser zusammenbrachen, macht man sich Gedanken über die Haltbarkeit von Stahlbetonträgern bei Wärmebelastung. Klar war den meisten schon, dass wärmedämmende Bauteile in Form von Papierschnipseln leicht entflammbar und daher verboten seien. Hatte man in den Anfangszeiten der Stahlbetonbauweise noch einen Zentimeter Betonüberdeckung für ausreichend erachtet, kamen bei den jetzigen Berechnungen mindestens 7 cm heraus. „Was macht die Bewehrung in Beton, wenn sie mit 1200 Grad beaufschlagt wird?“ Die Antwort war: „Die Randeisen verlieren bis zu 80 % an Tragkraft, allein die Mitteleisen tragen nach 90 Minuten noch mit ca. 80%. Wenn ein Betonträger die Voraussetzungen für R90, also Feuerbeständigkeit nach 90 Minuten Beaufschlagung erfüllen soll,  dann müssen die Eisen wenigstens 7 cm von Beton überdeckt sein.

Ob es nun wirklich noch das altbekannte Eisen als Bewehrung sein muss, oder sich doch nicht neue Werkstoffe anbieten, darüber machte sich Dr. Ing. Silvio Weiland von Tudalit e.V. Gedanken. Stahl wird bekanntermaßen ab 800 Grad und kirschroter Glühfarbe fließend, da wäre doch Glas und Carbon eine Alternative. Hohe Festigkeiten, Steifigkeit und Dauerhaftigkeit seien hier die Vorteile. Man könne zum Beispiel Glas und Carbonfasern in den Beton ungeordnet einmischen, die wären dann aber ungerichtet und würden nur zum Teil zur Zugkraftfestigkeit beitragen. Man könne aber auch Matten in Stabstruktur auftragen, das verspreche hohe Festigkeitseffekte. Insgesamt gesehen scheint das Thema Carbonbeton zukunftsweisend zu sein, geringeres Gewicht und keine Gefahr der Carbonisierung sprechen dafür. 

Über den Hochwasserschutz am Beispiel de Sperrwerks Wedeler Au informierte Lars Schinköthe von der BBT GmbH die Zuhörer. Nach der Mittagspause stellte Achitekt Thomas Ladehoff den Entwurfsprozess  für das Hotel „Altes Stahlwerk“ unter Erhaltung des alten Stahlbetontragwerks dar. Mehr, als offensichtlich waren hier die Abplatzungen an Stahlbetonträgern und -ständern für die Zuhörer beim Blick nach links oder rechts im Veranstaltungsraum. 

Mit dem Thema: Wer ist eigentlich die „Generation Z?“ beschäftigte sich zum Schluss Marc Kostrzewa. Diese zwischen 1997 und 2012 geborenen Nachfolger profitieren vom Mangel an  arbeitswilligen und befähigten Gleichaltrigen. Für sie ist um 17 Uhr Dienstschluss, sie treffen keine Kaufentscheidung, ohne sich mit Gleichgesinnten in den sozialen Netzwerken abgesprochen zu haben. Bei der Annahme von Beschäftigungsangeboten haben sie die freie Auswahl. Leider träumen viele Jugendliche von einer Zukunft als „WEB-Designer“ oder „Influencer“ ohne zu erkennen, dass eine handwerkliche Ausbildung mit Gesellen- oder Meisterabschluß heutzutage die Garantie für ein hohes Einkommen bedeutet.   

Impressionen "2. BWi-Forum"


Marode Eisenbahnbrücken

Eine frühzeitige Instandsetzung zahlt sich aus

Über 1000 deutsche Eisenbahnbrücken sind in einem so schlechten Zustand, dass sich ihre Reparatur nicht mehr rechnet. Das geht aus einer aktuellen Datenerhebung der Grünenfraktion im Bundestag hervor. Der Diplom-Ingenieur und Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V.,  Marco Götze, klärt über die Tragweite der Untersuchung auf.  Er weiß und weiß, welche Folgen Versäumnisse bei der Instandsetzung von Bauwerken mit sich bringen:

“Über Jahrzehnte hinweg wurde die Instandsetzung unserer Infrastruktur vernachlässigt. Das bestätigt nun auch die aktuelle Datenerhebung in Bezug auf Eisenbahnbrücken. Viele der dort gelisteten  Brückenbauwerke haben ihre Lebensdauer überschritten. Auch viele neuere Brücken sind betroffen, obwohl sie in der Regel eine hohe kalkulierte Nutzungsdauer haben. Diese kann jedoch nur erreicht werden, wenn die Brücken regelmäßig überprüft und instand gesetzt werden. Unzureichende oder ausbleibende Maßnahmen führen dazu, dass sich kleine Schäden im Laufe der Zeit ausdehnen und eine Instandsetzung nicht mehr wirtschaftlich ist. Dann kommt nur noch der Abriss und ein Ersatz-Neubau in Frage. Viele Beispiele aus unserer Praxis zeigen aber deutlich, dass sich eine regelmäßige Überprüfung der Bauwerke und eine zeitnahe Behebung der Schäden langfristig immer rechnet. Eine Aufschiebung der nötigen Reparatur-Arbeiten führt letztlich  zu einer Kostenexplosion durch den Abriss und Neubau des Bauwerkes, den die Steuerzahler ausbaden müssen. Das Know-How und die technischen Möglichkeiten, um unsere Infrastruktur leistungsfähig zu halten, gibt es in Deutschland.  Allein wir vertreten über 400 Unternehmen und Planungsbüros mit Erfahrung in diesem Themenfeld. Das Verschieben und Aufstocken der Kosten führt nur zu Problemen für die Nutzer. Hier besteht Handlungsbedarf für die Politik und auch für unsere Branche, um noch mehr junge Menschen von einer zukunftssicheren Karriere in der Betoninstandsetzung zu überzeugen”.

Quelle: www.betoninstandsetzer.de

Imagefilm Betoninstandsetzer

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