Baugewerbe-Innung für den Kreis Segeberg

Geselle - und was nun?

Neun oder 10 Jahre Schule hat man hinter sich gebracht, danach drei Jahre Lehre mit Betrieb und Berufsschule, als „erwachsen“ gilt man mittlerweile auch schon… Die letzten Prüfungen, die Freisprechungsfeier – etwas altmodisch mit brennenden Kerzen, der offenen Lade – und dann: So etwas, wie ein Loch!
Bis jetzt hat man sich in der Schule von Zeugnis zu Zeugnis weitergetastet, immer in Angst vor der Ehrenrunde… In der Lehre die Jahre gezählt, die ja angeblich keine Herrenjahre seien sollen. Und jetzt, alles vorbei, Gesellenbrief in der Hand, wenn man sich nicht ganz blöd angestellt hat, wurde man vom Betrieb übernommen. 
Klar, der Lohn stimmt jetzt, vor allem, wenn man ihn mit der Ausbildungsvergütung vergleicht, aber die Ansprüche wachsen ja auch: Neues Auto, eigene Wohnung, in die man mit der Freundin zusammen einziehen kann oder eben jederzeit „sturmfreie Bude“ hat. Manch einem macht auch die Ziellosigkeit Kopfzerbrechen: „Das soll ich jetzt 40 Jahre lang genauso weitermachen?“ 

40 Jahre so weitermachen?
Wir haben mit einem gesprochen, der das alles hinter sich hat, Johannes Specht, Geschäftsführer der Firma JS-Specht Bau in Bad Segeberg. Der 27-jährige beendete die Realschule in St. Peter-Ording, erwarb danach in Lübeck die Fachhochschulreife und begann dann eine Ausbildung zum Maurer. Der nächste Schritt war für ihn die Meisterschule, die er als Maurer- und Betonbauermeister abschloß. Da ihm das auch noch nicht ausreichte, studierte er in Lübeck noch Architektur um danach das Familienunternehmen als sechste Generation zu übernehmen.
„Nachdem ich die Fachhochschulreife in der Fachrichtung Bautechnik begann, war für mich klar, dass ich in die elterliche Firma einsteigen und Theorie und Praxis von der Pike auf lernen wollte.“, erzählt er.
Wer als Geselle im Bauhauptgewerbe arbeiten wolle, hätte derzeit gute Chancen, mit einem Stundenlohn von rund 15-19 Euro könne man rechnen. Allerdings seien auch die körperlichen Anforderungen immer noch hoch. Zwar müsse heutzutage niemand mehr schwere Balken oder Steine mit Muskelkraft zur Hochstrecke bringen, sodass der Beruf an sich auch für Frauen geeignet sei, aber mit zunehmendem Alter hätte die Arbeit bei Wind und Wetter doch Folgen für Rücken und Gelenke. Specht rät seinen jungen Kollegen, sich zunächst zum Vorarbeiter hochzuarbeiten und dann einen Kurs zum geprüften Polier oder Werkpolier zu belegen. Das geht in Voll- oder Teilzeit, hier werden Vorschriften zur Arbeitssicherheit, Personalbetreuung und fachliche Kompetenzen intensiviert.

Meister werden – Selbstständig sein
Der nächste Schritt auf der Karriereleiter wäre dann die Ausbildung zum Meister. Auch dies ist in Voll- oder Teilzeit möglich. Mit einem Jahr muss man bei der Vollzeitvariante rechnen, da entfällt natürlich der Lohn, aber Leistungen nach dem Bundes- Ausbildungs- und Förderungsgesetz sind möglich. Wer als Innungsbester seine Ausbildung abschloß, kann auch eine Förderung durch die Handwerkskammer bekommen. In Teilzeit, Abends und am Wochenende dauert die Ausbildung drei Jahre, mit Sicherheit eine Ochsentour, aber dafür läuft der Lohn weiter.
In den meisten Handwerksberufen ist der Meister Voraussetzung für den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit einer guten Idee, Flexibilität und natürlich viel Leistung kann man sich am Markt etablieren.
Überlegenswert wäre auch, nach der Ausbildung die Fachhochschulreife nachzuholen und ein Studium zum Bauingenieur im Hoch- und Tiefbau oder der Architektur zu beginnen. Solange man noch keine Familie zu versorgen hat, reicht das BaFÖG aus und in den Semesterferien kann man die Kasse duch Arbeit im erlernten Beruf gut auffüllen. 

Dazwischen – der Techniker
Für eher theoretisch interessierte gäbe es im Baugewerbe auch den Bautechniker als Bindeglied zwischen der Polier- und der Meisterebene.
Für welchen Weg sich man auch immer entscheide, meint Johannes Specht, wichtig sei, dass Handwerker das ausführen können, was andere sich nur mehr oder weniger vage vorstellen und planen.  Ohne Handwerker stünde kein Haus, würde keine Straße befahrbar sein, käme kein Wasser aus dem Hahn und kein Strom aus der Steckdose. Und dann würde auch das neueste IPhone mit den tollsten Apps nicht weiterhelfen.


Ausbildung im Bauhandwerk

Umfrageergebnisse des 1. Ausbildungsjahres 2017 zur Berufsfindung!

Die einzelnen Umfrageergebnisse erhalten Sie im internen Bereich unter "Allgemeines"

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Hilfe bei der Suche nach dem Ausbildungsplatz im Bauhauptgewerbe

Die Innung des Baugewerbes Neumünster, die Baugewerbe-Innung f. d. Kreis Segeberg und der Baugewerbeverband unterstützen vor Ort

Bereits in einigen Wochen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Diejenigen, die noch keinen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, aber Interesse an einer Berufsausbildung in der Bauwirtschaft haben, finden Unterstützung über die Innung des Baugewerbes Neumünster, die Baugewerbe-Innung f. d. Kreis Segeberg und beim Baugewerbeverband chleswig-Holstein in Kiel.

„Die Baubranche bietet eine Vielzahl von Ausbildungsberufen, die für junge Frauen und Männer attraktiv sind“, sagt BGV-Geschäftsführer Jan Jacobsen. Insgesamt bilden in Deutschland über 14.594 (Stand 31.12.2016) zumeist inhabergeführte mittelständische Betriebe in einem oder mehreren der 18 Berufe im Hoch-, Tief- oder Ausbau aus. In Schleswig-Holstein sind es mehr als 1.000 Ausbildungsbetriebe.

Obwohl deutschlandweit jährlich viele Lehrlinge ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, mangelt es auf den Baustellen an ausgebildeten Fachkräften. (11.282 Auszubildende waren Ende 2016 im dritten Ausbildungsjahr.) „Die Branche ist besorgt über den Ausfall an Fachkräften, da mehr Beschäftigte das Rentenalter erreichen, als junge Fachleute nachrücken“, sagt Jacobsen. Verschärft wird die Lage dadurch, dass die Bauwirtschaft boomt. Derzeit sind alleine in der Jobbörse der SOKA-BAU (Sozialkassen der Bauwirtschaft) rund 37.000 freie Stellen in der Baubranche gelistet.

„Wir müssen dem Nachwuchs vermitteln, dass die Berufe in der Baubranche komplex und attraktiv sind“, sagt Jacobsen. Zu lange habe man das öffentliche Image dieser Berufe vernachlässigt. Dabei haben moderne Techniken und Materialien das Berufsbild in vielen Bereichen nachhaltig verändert. Neue Verfahren, wie das energieeffiziente Bauen oder die Digitalisierung, machen diesen Wirtschaftszweig sehr modern, vielseitig und faszinierend anspruchsvoll. Bei der Kombination aus Handwerk und Hightech ist jetzt Fachwissen gefragt, aber auch klassisches Anpacken.

„Wir wissen aus Befragungen auch, dass die jungen Menschen heute auf Karriere durch Weiterbildung setzen“, sagt Jacobsen. Mehr als die Hälfte der befragten Auszubildenden und der Junggesellen strebten die Meisterprüfung an, jeweils rund ein Drittel wolle Polier werden oder plane ein anschließendes Studium im Baubereich. Die guten Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten im Baugewerbe machen es zudem möglich, später einen eigenen Betrieb zu führen.

Eine aktuelle Studie der SOKA-Bau und des FAZ-Instituts hat gezeigt, dass die Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung in einem der 18 Berufe am Bau entschieden haben, mit ihrer aktuellen Berufsausbildung am Bau zufrieden (93,5 %) sind, ein Viertel von ihnen gab an, sogar sehr zufrieden (24,8 %) zu sein.

Sie suchen noch einen Ausbildungsbetrieb in oder um Neumünster oder im Kreis Segeberg? Schauen Sie in unsere Ausbildungsplatzbörse oder rufen Sie uns an: 04321/60 88 0 (Innung des Baugewerbes Neumünster) oder 04551/ 99 68 0 (Baugewerbe-Innung f. d. Kreis Segeberg).

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