Baugewerbe-Innung für den Kreis Segeberg

Das Land braucht Handwerker

Traditionelle Freisprechungsfeier der Baugewerbe-Innung für den Kreis Segeberg am 27.07.2018

Im Rahmen der Freisprechungsfeier wurden am 27. Juli 2018 16 Zimmerer- und 3 Maurerlehrlinge sowie 6 Ausbaufacharbeiter und 1 Hochbaufacharbeiter von Ihrer 3jährigen bzw. 2jährigen Lehrzeit freigesprochen.

„Der beste Zimmermann ist eine Frau“, mit diesem Lob wurde Milena Louisa Müller aus Bad Bramstedt (Offen & Harder GmbH, Wiemersdorf) von Vorstandsmitglied Thomas Puls freigesprochen. Bei den Maurern wurde Innungsbester Nils Eike Westergaard aus Groß Niendorf (Fa. Johannes Specht Bauunternehmen KG, Bad Segeberg). Beide haben die Prüfung auf Grund sehr guter Leistungen um ein halbes Jahr vorgezogen und bereits im Januar 2018 abgelegt.

Kreispräsident Claus Peter Dieck sprach in seinem Grußwort: „Das Land braucht Handwerker. Das wird jedem nicht nur schlagartig bewusst, wenn sich Waschmaschine oder Heizung pünktlich zum Wochenende oder den Feiertagen verabschieden. Wir alle kennen diese Situation in denen wir unsere Hilflosigkeit ohne Handwerkskunst anerkennen müssen“.

Der traditionelle Richtspruch zur Eröffnung sowie das Zimmererklatschen der Lehrlinge rundeten die Veranstaltung ab. 


Baugewerbeverband bekämpft Schattenwirtschaft

Verfolgung von Schwarzarbeit auf Grundlage des Wettbewerbsrechts

Schwarzarbeit richtet nicht nur immense Schäden in der Volkswirtschaft an, sie schadet auch den gesetzestreu arbeitenden Betrieben. Der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein hat auf der Obermeistertagung am 5. Juli 2018 die verstärkte Bekämpfung handwerksrechtlicher Schwarzarbeit beschlossen.

In Deutschland bleibt die Schattenwirtschaft ein großes Problem, denn jeder zehnte Euro wird an Fiskus und Sozialkassen vorbei verdient. Nach einer Studie der Universität Linz entfällt der Löwenanteil (27 %) auf die boomende Bauwirtschaft. In Schleswig-Holstein sind 2016 durch Finanzkontrollen bei rund 1.220 Arbeitgebern Schäden durch Schwarzarbeit von mehr als 13 Mio. Euro aufgedeckt worden.

Erst im April dieses Jahres hatten Zöllner der Finanzkontrolle Schwarzarbeit aus Kiel und Lübeck mit einem Großaufgebot Arbeitnehmer auf diversen Baustellen kontrolliert und in 95 Fällen Unregelmäßigkeiten festgestellt – die Unterschreitung des vorgeschriebenen Mindestlohns oder fehlende Arbeitsgenehmigungen bei ausländischen Beschäftigten. Und ganz aktuell sind nach Medienberichten weitere Zugriffe bei einem Großeinsatz des Zolls erfolgt.

Bei Schwarzarbeit erhalten Arbeiter keinen Mindestlohn, von dem Tariflohn der Branche ganz zu schweigen, oftmals werden keine Steuern und Sozialabgaben entrichtet. „Unsere Betriebe,die die Tariflöhne zahlen, müssen mit Betrieben konkurrieren, die sich nicht an die Spielregeln halten“, sagt Thorsten Freiberg, Vorstandsvorsitzender des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein (BGV SH).

„Mit Einbruch der Baukonjunktur wird das Problem gravierender für unsere Betriebe.Spätestens jetzt müssen wir unser Arsenal in der Bekämpfung aufstocken“, so Freiberg.

Im Land besteht eine intensive Zusammenarbeit zwischen Zoll und den nach Landesrecht zuständigen Behörden bei der Schwarzarbeitsbekämpfung. In diesem Rahmen finden ordnungsbehördliche Maßnahmen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz und die entsprechenden Sanktionen Anwendung.

Der BGV SH hat sich gemeinsam mit dem Bündnis zur Schwarzarbeitsbekämpfung und seinen Innungen lange mit dem Thema beschäftigt. Nun hat er beschlossen das vorhandene Portfolio zu ergänzen und will eine zusätzliche Methode anwenden, um gesetzestreue Betriebe vor unlauteren Mitbewerbern zu schützen.

„Die Verfolgung von Verstößen gegen das Handwerksrecht durch die örtlichen Ordnungsbehörden auf Grundlage des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes wird vielfach als unbefriedigend angesehen“, so Schareck. Denn mit Einleitung eines Verfahrens fehlen Informationen darüber, ob dieses Erfolg hatten und, falls ja, welchen.

Daher hat die Obermeistertagung das Verbandsmodell Schwarzarbeitsbekämpfung (auf Basis des sog. Regensburger Modells) beschlossen. Es soll ab September landesweit umgesetzt werden.

Im Falle handwerksrechtlicher Schwarzarbeit werden wettbewerbsrechtliche Abmahnverfahren landeseinheitlich durch den BGV SH eingeleitet und geführt – unabhängig von ordnungsbehördlichen Maßnahmen. Grundlage hierfür ist das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Handwerksrechtliche Schwarzarbeit, also die Ausübung oder Bewerbung von wesentlichen Tätigkeiten eines zulassungspflichtigen Handwerks ohne entsprechende Eintragung in die Handwerksrolle, stellt eine unlautere geschäftliche Handlung zu Lasten der Mitbewerber dar. Dieser Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht führt zu Ansprüchen auf Beseitigung des Verstoßes und zukünftige Unterlassung, die vom Baugewerbeverband im Interesse seiner Mitglieder durchgesetzt werden können.

„Handwerksrechtliche Schwarzarbeit führt zu deutlichen Wettbewerbsverzerrungen. Mit unserer Aktion unterstützen wir bisherige Aktivitäten zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, machen sie aber schneller und zielgenauer. Denn bei falschen Angaben und falscher Werbung können wir diese Aussagen nicht nur abmahnen, sondern für den Fall der Wiederholung des einschlägigen Verstoßes gegen das Handwerksrecht eine Vertragsstrafe fordern“, kommentiert Freiberg das Vorgehen.

Gleichzeitig empfiehlt der BGV SH Bauherren, sich genau anzuschauen, mit wem sie bauen. Denn bei Beauftragung von Schwarzarbeit geht der Bauherr erhebliche Risiken ein. Insbesondere droht der Verlust jeglicher Mängelansprüche.


Besuch der Delegation aus Pölva (Estland)

in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte Bau in Bad Segeberg

Am 11.05.2018 besuchte eine Delegation aus der Region Pölva in Südestland die überbetriebliche Ausbildungsstätte der Baugewerbe-Innung des Kreises Segeberg.

Obermeister (OM) Jörg Specht und Geschäftsführer (GF) Carsten Bruhn freuten sich über den Besuch des Bürgermeisters der Gemeinde Pölva Georg Pelisaar, den Leiter des Entwicklungszentrums Region Pölva Aarne Leisalu, Frau Annelx Eesmaa, Patenschaftsaufgaben in der Gemeinde Pölva und Frau Aimi Jöesalu als Übersetzerin und Gymnasiallehrerin.

Die Delegation war hier im Kreis zu Gast, um die schon seit 25 Jahren bestehende Partnerschaft mit dem Kreis Segeberg neu zu beleben.

GF Carsten Bruhn informierte die Delegation über die Strukturen des organisierten Handwerks in der Region, den Aufgaben und Dienstleistungen der Baugewerbe-Innung für den Kreis Segeberg und der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf das duale Ausbildungssystem in Deutschland, die Ausbildungsinhalte und die praktische Umsetzung der handwerklichen Ausbildung. Es kam zu angeregten Gesprächen über die Problematik des Fachkräftenachwuchses vor dem Hintergrund des demografischen Wandels der sich bei den Betrieben bemerkbar macht.

Nach der deutsch-estländischen Diskussionsrunde unternahm die Besuchergruppe unter Führung von OM Jörg Specht und GF Carsten Bruhn einen Rundgang durch die Ausbildungshallen der überbetrieblichen Ausbildungsstätte. Ausbildungsmeister Bruno Deutschmann (Bereich Maurer) und Ausbildungsmeister Sven-Ole Bastian (Bereich Zimmerer) erläuterten den interessierten Zuhörern die Ausbildungsinhalte und den allgemeinen Ablauf der Ausbildung in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte. Thema waren auch der Gesellenbrief und der Meisterbrief und deren Stellenwert im In- und Ausland. Die Delegation hat die Überbetriebliche Ausbildungsstätte mit einem sehr Eindrücken verlassen.

Ein Gegenbesuch Delegierter der Baugewerbe-Innung für den Kreis Segeberg und der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein ist im Oktober 2018 angedacht.


Geselle - und was nun?

Neun oder 10 Jahre Schule hat man hinter sich gebracht, danach drei Jahre Lehre mit Betrieb und Berufsschule, als „erwachsen“ gilt man mittlerweile auch schon… Die letzten Prüfungen, die Freisprechungsfeier – etwas altmodisch mit brennenden Kerzen, der offenen Lade – und dann: So etwas, wie ein Loch!
Bis jetzt hat man sich in der Schule von Zeugnis zu Zeugnis weitergetastet, immer in Angst vor der Ehrenrunde… In der Lehre die Jahre gezählt, die ja angeblich keine Herrenjahre seien sollen. Und jetzt, alles vorbei, Gesellenbrief in der Hand, wenn man sich nicht ganz blöd angestellt hat, wurde man vom Betrieb übernommen. 
Klar, der Lohn stimmt jetzt, vor allem, wenn man ihn mit der Ausbildungsvergütung vergleicht, aber die Ansprüche wachsen ja auch: Neues Auto, eigene Wohnung, in die man mit der Freundin zusammen einziehen kann oder eben jederzeit „sturmfreie Bude“ hat. Manch einem macht auch die Ziellosigkeit Kopfzerbrechen: „Das soll ich jetzt 40 Jahre lang genauso weitermachen?“ 

40 Jahre so weitermachen?
Wir haben mit einem gesprochen, der das alles hinter sich hat, Johannes Specht, Geschäftsführer der Firma JS-Specht Bau in Bad Segeberg. Der 27-jährige beendete die Realschule in St. Peter-Ording, erwarb danach in Lübeck die Fachhochschulreife und begann dann eine Ausbildung zum Maurer. Der nächste Schritt war für ihn die Meisterschule, die er als Maurer- und Betonbauermeister abschloß. Da ihm das auch noch nicht ausreichte, studierte er in Lübeck noch Architektur um danach das Familienunternehmen als sechste Generation zu übernehmen.
„Nachdem ich die Fachhochschulreife in der Fachrichtung Bautechnik begann, war für mich klar, dass ich in die elterliche Firma einsteigen und Theorie und Praxis von der Pike auf lernen wollte.“, erzählt er.
Wer als Geselle im Bauhauptgewerbe arbeiten wolle, hätte derzeit gute Chancen, mit einem Stundenlohn von rund 15-19 Euro könne man rechnen. Allerdings seien auch die körperlichen Anforderungen immer noch hoch. Zwar müsse heutzutage niemand mehr schwere Balken oder Steine mit Muskelkraft zur Hochstrecke bringen, sodass der Beruf an sich auch für Frauen geeignet sei, aber mit zunehmendem Alter hätte die Arbeit bei Wind und Wetter doch Folgen für Rücken und Gelenke. Specht rät seinen jungen Kollegen, sich zunächst zum Vorarbeiter hochzuarbeiten und dann einen Kurs zum geprüften Polier oder Werkpolier zu belegen. Das geht in Voll- oder Teilzeit, hier werden Vorschriften zur Arbeitssicherheit, Personalbetreuung und fachliche Kompetenzen intensiviert.

Meister werden – Selbstständig sein
Der nächste Schritt auf der Karriereleiter wäre dann die Ausbildung zum Meister. Auch dies ist in Voll- oder Teilzeit möglich. Mit einem Jahr muss man bei der Vollzeitvariante rechnen, da entfällt natürlich der Lohn, aber Leistungen nach dem Bundes- Ausbildungs- und Förderungsgesetz sind möglich. Wer als Innungsbester seine Ausbildung abschloß, kann auch eine Förderung durch die Handwerkskammer bekommen. In Teilzeit, Abends und am Wochenende dauert die Ausbildung drei Jahre, mit Sicherheit eine Ochsentour, aber dafür läuft der Lohn weiter.
In den meisten Handwerksberufen ist der Meister Voraussetzung für den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit einer guten Idee, Flexibilität und natürlich viel Leistung kann man sich am Markt etablieren.
Überlegenswert wäre auch, nach der Ausbildung die Fachhochschulreife nachzuholen und ein Studium zum Bauingenieur im Hoch- und Tiefbau oder der Architektur zu beginnen. Solange man noch keine Familie zu versorgen hat, reicht das BaFÖG aus und in den Semesterferien kann man die Kasse duch Arbeit im erlernten Beruf gut auffüllen. 

Dazwischen – der Techniker
Für eher theoretisch interessierte gäbe es im Baugewerbe auch den Bautechniker als Bindeglied zwischen der Polier- und der Meisterebene.
Für welchen Weg sich man auch immer entscheide, meint Johannes Specht, wichtig sei, dass Handwerker das ausführen können, was andere sich nur mehr oder weniger vage vorstellen und planen.  Ohne Handwerker stünde kein Haus, würde keine Straße befahrbar sein, käme kein Wasser aus dem Hahn und kein Strom aus der Steckdose. Und dann würde auch das neueste IPhone mit den tollsten Apps nicht weiterhelfen.


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