53. Amtsköste

Wertschöpfung muss in Neumünster bleiben!

53. Amtsköste der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein

Die 53. Amtsköste der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein am 16.11.2017 bescherte den politischen Fraktionen in Neumünster kritische Stimmen. Dessen Ansinnen den Neubau- bzw. Erweiterungsbau dreier Neumünsteraner Schulen in  Modulbauweise anstatt in konventioneller Bauweise errichten zu lassen, erteilte Kreishandwerksmeister Michael Kahl eine klare Absage. Es ist ein Trugschluss, dass die Modulbauweise günstiger und schneller sei als die konventionelle Bauweise.  Beispielhalft nannte Kahl, dass bei der Umsetzung von Modulbauweise für Wohnungsbau im Stahlskelettbau von einem Quadratmeterpreis von ca. 1.800,00 Euro (reine Baukosten) ausgegangen wird. Dieser Preis wurde bei bisherigen Objekten, die in konventioneller Bauweise in Neumünster für Schul- und Kita-Bauten als Sonderbauten mit erhöhten Anforderungen umgesetzt wurden, deutlich unterschritten. Darüber hinaus ist die Modulbauweise auch auf Lange Sicht gesehen  nicht günstiger. Bauten, die auf diese Weise errichtet wurden, haben statistisch gesehen eine Lebenserwartung von ca. 40 Jahren. Bei Bauten, die in konventioneller Massivbauweise errichtet werden, liegt die Lebenserwartung hingegen bei ca. 80 Jahren. Am meisten am Herzen lag Kreishandwerksmeister Kahl aber, dass die ortsansässigen Handwerksbetriebe diese Modulbauweise nicht umsetzen können. Der Modulbau ist eine Fertigbauweise mit System, durch die verschiedenste Gebäudetypen wie z.B. Schulgebäude errichtet werden können. Dabei werden Einzelteile (Module) industriell und witterungsunabhängig im Werk vor¬gefertigt, die dann individuell angepasst und zusammengebaut werden. Die auszuführenden Arbeiten werden in der Regel durch einen Generalunternehmer und den vertraglich zu ihm gehörenden Subunternehmern ausgeführt.

Das heißt, dass die Aufträge nicht in Neumünster bleiben und somit der Stadt erhebliche Gewerbesteuereinnahmen verloren und das verdiente Geld wird nicht hier vor Ort wieder ausgegeben.

„Das kann doch nicht ernsthaft gewollt sein“, so Kahl,“ die Wertschöpfung muss in Neumünster bleiben! Wertschöpfung  bedeutet: Steuereinnahmen, Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, nicht nur im Handwerk, sondern für die gesamte Wirtschaftsregion Neumünster. Hier ist das Handwerk in seiner Vielschichtigkeit das Rückgrat und ein starker Motor und zwar in jeder Konjunkturlage.“ 

Glücklich ist Kahl mit der aktuellen Konjunktursituation im Handwerk. Die Konjunkturumfragen der Handwerkskammern spiegeln ein positives Bild im Handwerk wieder. Die Auftragsbücher in nahezu allen Gewerken sind auch bis ins nächste Jahr gefüllt. Wie schon länger der Fall, könnten die Margen bei den Aufträgen jedoch deutlich besser sein. Diese lassen sich aber zum Teil, nicht nur aus Wettbewerbsgründen, nicht umsetzen. So wird manch ein Betrieb bei seinen Investitionsvorhaben ausgebremst bzw. es ist ihm nicht möglich, Rücklagen zu schaffen, für konjunkturell schlechtere Zeiten. 

Mit Sorge blickte er auf die Entwicklung der Lehrlingszahlen. Bis zum Stichtag 30.10.2017 wurden für Neumünster 257 neue Lehrverhältnisse in die Lehrlingsrolle eingetragen. Das sind 23 Ausbildungsplätze weniger als im Vorjahr. Und in Anbetracht der Vielzahl der Handwerksbetriebe in Neumünster ist das auch insgesamt keine Zahl zum Jubeln.

„Wir hoffen, dass die sinkende Zahl der neuen Ausbildungsverträge nur ein einmaliger Ausrutscher war“, so Kahl „und nicht die Folge des „Akademisierungswahnes“, der überall um sich greift. Abitur und Studium sind für viele der falsche Weg. Das Handwerk mit seiner Vielseitigkeit und seinen technischen und innovativen Entwicklungen bietet jedem Schüler, egal ob mit einfachem, mittlerem Schulabschluss oder  Abitur tolle Möglichkeiten und Perspektiven für die Zukunft.

“Die Landespolitik forderte er auf, den Schulbeauftragten für Berufsorientierung Extra-Stunden für die Organisation der Berufsorientierung zur Verfügung stellt. 

„Was nützt uns eine große Schar Akademiker,wenn keiner von denen einen Nagel in die Wand schlagen kann!“

Bildergalerie

53. Amtsköste der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein