Umsatzsteuer

Senkung der Umsatzsteuersätze ab 01.07.2020

Nachfolgend informieren wir über die wichtigsten Merkmale bei der Anwendung der Umsatzsteuer- sätze. Dies sind allgemeine Informationen, die nicht die Beratung im konkreten Einzelfall ersetzen. Eine Haftung ist insoweit ausgeschlossen.GrundsätzeMaßgeblich für den anzuwendenden Steuersatz ist die Ausführung der Leistung. Das Umsatzsteuerge- setz unterscheidet zwei Leistungsarten: die Lieferung (eines Gegenstandes) und die Sonstige Leistung (Dienstleistung). Eine Lieferung gilt als ausgeführt, wenn der Leistungsempfänger die Verfügungs- macht an dem Gegenstand hat. Eine Sonstige Leistung erfolgt umsatzsteuerrechtlich mit dem Zeit- punkt der Vollendung. Liegt eine zeitlich begrenzte Dauerleistung vor, ist die Leistung mit Ende des Leistungsabschnitts ausgeführt, wenn keine Teilleistung vorliegt. Eine Teilleistung muss nicht nur wirt- schaftlich möglich sein, sondern für die Anerkennung durch das Finanzamt auch zivilrechtlich als Teil- leistung vereinbart sein, so dass, z.B. bei Bauwerken, eine Teilabnahme und –abrechnung erfolgen muss.Nicht relevant für die Anwendung des Steuersatzes ist das Rechnungsdatum, entscheidend ist das Leistungsdatum.Einzelfragen1. Anzahlungen

Bei der Anzahlung (Vorauszahlung) entsteht die Steuer nur vorläufig. Der endgültige Steuersatz be- stimmt sich nach den Bedingungen zum Zeitpunkt der Ausführung der Leistung oder der Teilleistung.
Wurde beispielsweise im 1. Halbjahr eine Anzahlung geleistet (mit 19 % USt) und die Leistung wird erst im 2. Halbjahr (mit 16 %) erbracht, ist die Rechnung zu entlasten:

Entgelt netto                                     200,00 €
zzgl. USt 16 %                                     32,00 €
Brutto                                                232,00 €


abzüglich Anzahlungsrechnung 06/2020

Netto-Anzahlung                               100,00 €
in RG ausgewiesene USt                     19,00 €
Brutto-Anzahlung                              119,00 €           ./. 119,00 €
verbleibender Zahlbetrag                                               113,00 €

Grundsätzlich sind Leistungen im 2. Halbjahr mit 16 % zu besteuern, auch bei Anzahlungen. Ist aber absehbar, dass die Leistung in 2021 ausgeführt wird, kann der Unternehmer auch in 2020 bereits 19 % bei Anzahlungen in Rechnung stellen. Bei früheren Steuersatzänderungen ließ die Finanzverwaltung es zu, dass in der Anzahlungs-Rechnung schon der spätere Steuersatz angegeben wurde, der voraussicht- lich bei der Ausführung der Leistung gilt.

Soweit der Steuersatz bei der Anzahlung von dem endgültigen Steuersatz bei der Schlussrechnung (Leistung erbracht) abweicht, ist (je nach Fallkonstellation) die Schlussrechnung um den jeweiligen Steuerbetrag nach oben oder unten zu korrigieren.

2. Dauerleistungen

Hier ist die Abgrenzung zwischen Jahres- oder Teilleistungen wichtig. Unbefristete Dauerleistungen sind in der Regel Mietverträge und Mitgliedsbeiträge. Je nach Vertragsart wird die Teilleistung monats- oder jahresweise ausgeführt. Befristete Dauerleistungen sind z.B. Jahreskarten und Abonnements, die Ausführung erfolgt üblicherweise bis zum Ende der Vertragslaufzeit.

Entscheidend für die steuerrechtliche Beurteilung ist der zivilrechtliche Vertrag (wann wird die Leis- tung ausgeführt bzw. wann endet diese).

Achtung: Auch Verträge können eine Rechnung bzw. Teil der Rechnung sein. Ist in einem Mietvertrag die Umsatzsteuer mit Steuersatz und Betrag offen ausgewiesen (Miete 1.000 € zzgl. 19 % USt 190 €), so muss der Vertrag durch einen Nachtrag angepasst werden, ansonsten muss der leistende Unterneh- mer 19 % Umsatzsteuer abführen, der empfangende Unternehmer hat aber nur 16 % Vorsteuerabzug.

3. Bauleistungen

In der Praxis werden häufig die Voraussetzungen für eine Teilleistung nicht erfüllt sein. Als objektives Kriterium muss die Teilleistung wirtschaftlich abgrenzbar sein, z.B. Abrechnung nach Fertigstellung ein- zelner Gewerke. Dieses Kriterium kann nicht gestaltet werden. Daneben tritt das subjektive Kriterium der vertraglichen Vereinbarung und tatsächlichen Durchführung: im Vertrag müssen schriftlich Teil- leistungen vereinbart sein und es müssen Teilabnahmen durchgeführt und Teilschlussrechnungen ge- stellt werden.

Interessant für nicht vorsteuerabzugsberechtigte Bauherren (Privatpersonen, nicht zum Vorsteuerab- zug berechtigte Unternehmen) ist bei geplanter Fertigstellung in 2021 die Abrechnung von Teilleistun- gen im 2. Halbjahr 2020. Dazu muss vor dem 31.12.2020 eine schriftliche Vereinbarung über die Aus- führung von Teilleistungen abgeschlossen werden, die objektiv möglich und dann tatsächlich auch so durchgeführt wird.

4. Weitere Einzelfragen:

  • Reisekostenabrechnungen sollten intensiv geprüft werden (Übernachtung im Hotel, Bahnti- ckets). Wird die Leistung im 2. Halbjahr bezogen, gelten die verminderten Steuersätze von bzw. 7 %. Bei Zeit- oder Jahreskarten ist die Leistung erst mit Ablauf des Leistungszeitraums erbracht, so dass ggf. unrichtig 19 % / 7 % ausgewiesen sind.
  • Die private PKW-Nutzung erfolgt im 2. Halbjahr zum verminderten Umsatzsteuersatz.
  • Lieferung Gas/Strom/Wasser/Wärme Die Lieferung ist erst mit dem Ablauf des Ablese- zeitraums erfolgt, die zwischenzeitlich geleisteten Abschlagszahlungen sind kein Entgelt für leistungen.

5. Rechnungseingangsprüfung

Bei der Prüfung ist darauf zu achten, dass die Rechnungen bei Leistungen im 2. Halbjahr nur die ver- minderten Umsatzsteuersätze enthalten. Wurde die Umsatzsteuer zu hoch ausgewiesen, darf nur der richtige Steuersatz als Vorsteuer abgezogen werden. Bei einer unrichtigen Eingangsrechnung sollte eine berichtigte Rechnung angefordert werden.

Übersicht
Auf der Seite von haufe gibt es eine frei zugängliche Übersicht zu den oben genannten Punkten, insbe- sondere eine Tabelle zur steuerlichen Behandlung von Leistung und Anzahlung als Übersicht