MdL besucht Handwerk

MdL Ole Plambeck mit der Kreishandwerkerschaft unterwegs

 „Lass uns doch einmal in die Praxis schauen“, Ole Plambeck, Landtagsabgeordneter für den Westkreis, der sich aber auch intensiv um den Osten Segebergs kümmert, war auf Einladung der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein am Montag unterwegs, um herauszufinden, wo die Handwerker der Schuh drückt.

 

Kreishandwerksmeister Michael Kahl und Geschäftsführer Carsten Bruhn hatten schon im Vorfeld die Bereiche öffentliche Ausschreibung und Berufsausbildung ermittelt. Beim Vorgespräch in der Hamburger Straße kristallisierte sich aber schnell ein weiterer Schwerpunkt heraus: Der ausufernde Papierwust, sei es bei Ausschreibungen oder Dokumentationen.

 

Das sah auch Mirco Staschewski, Geschäftsführer der Bordoni GmbH in der Lindhofstraße, so. „Mit mir arbeiten bei uns drei Meister im Büro, das ist an sich viel zu viel, aber leider notwendig.“ Manche Ausschreibung hätte über 100 Seiten, die ausgefüllt werden müssten, die möchte man dann gar nicht unterschreiben, zumal manche Formulierungen für den Nicht-Juristen kaum verständlich wären.  So komme es dann vor, dass sich viele Handwerker gar nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen beteiligten und diese daher ohne Angebot blieben, wie jüngst bei Holstein Kiel. Wichtiger war Mirco Staschewski aber die Ausbildung: „Wir vergreisen“, meinte er. Nach seinen Erfahrungen läge einer der Gründe für den Lehrlingsmangel an einer Abitur orientierten Schule. „Da fehlt ein Fach Berufskunde“, kritisiert er das Schulsystem. Abgeordneter Plambeck gab offen zu: „Wir haben jahrelang das Auge nur auf das Abitur gehabt.“ Die Schulen müssten flexibler werden und mehr zur Berufsorientierung betragen, erste Schritte, wie Azubi-Workshops seien schon getan.

 

Auch die Elektromeister Reinhard Schweim und sein Nachfolger Sebastian Baumert schlugen in die gleiche Kerbe. Alle 15 Mitarbeiter hätten zum Beispiel einen kompletten 1.Hilfe-Lehrgang gemacht, das reiche aber nicht aus, um sie als berufliche Ersthelfer zu benennen. „Ich fühle mich total veräppelt“, meint Schweim. 

Sicherheits- und Brandschutzbeauftragte musste er benennen und alle müssten spezielle Lehrgänge haben. Auch unverständliche Sicherheitsvorschriften machten ihnen das Leben schwer, erzählt Sebastian Baumert: „Wir dürfen grundsätzlich nicht mehr von einer Leiter aus arbeiten.“ Man könne aber doch nicht für die Montage einer Deckenlampe ein Gerüst aufbauen. Auch er berichtet von einer Ausschreibung, die er verloren habe, weil er bei der Frage: „Wo führen Sie die Arbeiten aus?“ das Kreuz bei „In der Werkstatt“ vergessen habe. „Wir haben genug Privatkunden“, berichtet er, da verzichte man gern auf die komplizierten Ausschreibungen. Auch er hat Wünsche an die künftigen Azubis: „Rechnen und Schreiben sollten sie schon können und oft mangelt es auch an normaler Höflichkeit, wie dem morgendlichen Gruß oder einer Kundin die Tür aufzuhalten.“ Aber auch für ihn ist die zu bewältigende Papiermenge und immer neue Vorschriften das allergrößte Ärgernis. „Da soll man sich nicht wundern, wenn Bürger und Politik sich langsam entfremden“, fasste Landtagsabgeordneter Ole Plambeck seine Erkenntnisse des Tages zusammen. 

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