Europawahlen

Handwerk diskutiert mit Europawahl-Kandidaten über Weichenstellungen

  Im Drathenhof in Molfsee bei Kiel diskutierte Handwerk Schleswig-Holstein e.V. im Rahmen eines „Handwerkerforums“ wichtige Handwerksthemen im europäischen Kontext - eingeladen waren dazu die Kandidaten zu der am 26. Mai anstehenden Europawahl.

Präsident Thorsten Freiberg betonte die Bedeutung eines stabilen Europas für die Wirtschaft und das Handwerk gleich zu Beginn: „Unsere Unternehmen brauchen solide politische Bedingungen, um dauerhaft erfolgreich wirtschaften zu können. Nicht abschätzbare Risiken machen jeden Markt kaputt und gefährden auf Dauer Wachstum und Wohlstand – und am Ende auch die Freiheit und den Frieden in Europa. Ein Beispiel: Wenn der Kühllogistiker aus Schleswig-Flensburg sein Fleisch nicht mehr nach Russland oder Großbritannien verkaufen kann, dann braucht er auch weniger Kälte- und Klimatechniker, die die Kühlung warten. 


“Eines der Kernthemen war denn auch gleich benannt: der seit langem diskutierte Brexit. Freiberg: „Unternehmen, die mit Zulieferern oder Partnern in Großbritannien zu tun haben, werden sich angesichts der aktuellen Lage dreimal überlegen, ob sie investieren oder nicht, ob sie Mitarbeiter einstellen oder nicht, ob sie ins Risiko gehen oder verharren – das ist auf Dauer nicht gesund, wir brauchen eine schnelle Klärung.“ Obwohl vieles im Zusammenhang mit Europa aktuell stark in Frage gestellt werde, sei Europa wichtiger denn je: Der Druck von außen werde stärker, sei es aus den USA, Russland oder China. Freiberg: „Gleichzeitig steigen für uns Europäer die Herausforderungen, sich der Probleme durch Kriege im Nahen Osten und der Situation in Afrika zu stellen. Für mich folgt daraus, dass wir ein starkes und geeintes Europa brauchen!“

Freiberg sagte weiter: „Wir im Handwerk glauben aber auch, dass eine Spaltung zwischen den einfachen Leuten, die jeden Tag hart arbeiten, und den Eliten droht, wenn wir nicht in der Lage sind, das Erfolgsprojekt Europa nachvollziehbar und konkret zu machen.“ Dies sei eine der Hauptaufgaben für die Abgeordneten im Europäischen Parlament, sagte er in Richtung der Kandidaten. Ob Dieselkrise oder Datenschutzgrundverordnung – es brauche sinnvolle Rahmenbedingungen. „Man hat oft den Eindruck, dass viele sich zu sehr mit sich selbst beschäftigen und Zeit vergeuden, statt Problemlösungen vorzulegen!“ Moderiert von Carsten Kock, stellten sich anschließend Rasmus Andresen (Bündnis 90/die Grünen), Helmer Krane (FDP), Enrico Kreft (SPD) und Niclas Herbst kritischen Fragen, auch aus dem Publikum.

Allgemeine Informationen:

Handwerk Schleswig-Holstein – Vereinigung der Fachverbände und Kreishandwerkerschaften vertritt als Unternehmens- und Arbeitgeberverband die Interessen des freiwillig organisierten Handwerks in Schleswig-Holstein. Mitglieder sind 26 Fachverbände und Landesinnungen vom Baugewerbe bis zur Zahntechnikerinnung sowie zwölf Kreishandwerkerschaften als regionale Organisationen des Handwerks und Geschäftsführungen der In¬nungen. Die Vereinigung repräsentiert damit rund 8000 Handwerksbetriebe in Schleswig-Holstein.