Am Donnerstag, den 20. November, fand im Hotel Prisma in Neumünster die 59. Amtsköste der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein statt. Die Veranstaltung gilt traditionell als Höhepunkt des Handwerksjahres und bietet eine Plattform für Austausch zwischen Handwerk, Politik, Wirtschaft, Bildungszentren und Verwaltung.
Handwerk als regionaler Stabilitätsfaktor
In seiner Eröffnungsrede betonte Kreishandwerksmeister Lars Krückmann, dass das Handwerk auch im vergangenen Jahr ein stabiler Bestandteil der regionalen Wirtschaft gewesen sei. Betriebe aus dem Bau-, Ausbau-, Metall-, Elektro-, Kfz- und Friseurhandwerk stünden weiterhin für Qualität, Verlässlichkeit und Verantwortung.
Ein Schwerpunkt seiner Rede war die Kritik an den Stadtwerken Neumünster (SWN) im Bereich der Wärmepumpeninstallationen. Krückmann bemängelte, dass Fachkräfte aus Handwerksbetrieben rekrutiert würden und betonte, dass die Installation von Wärmepumpen originäre handwerkliche Tätigkeiten seien. Ein kooperativer Lösungsansatz sei angeboten, jedoch abgelehnt worden.
Stadtpräsidentin Schättiger: Regulierungswahn
Neumünsters Stadtpräsidentin Anna Katharina Schättiger lobte in ihrer Ansprache die bedeutende Rolle des Handwerks in der Nachwuchsqualifizierung. Handwerksbetriebe seien weiterhin „Lehrherren Nummer eins“ und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie machte zudem deutlich, dass Bürokratie ein zunehmendes Hindernis sei: „Es ist unterirdisch, was in diesem Land alles reguliert ist.“
Schättiger ging außerdem auf Schwarzarbeit als gesellschaftliches Problem ein und stärkte dem Handwerk in Vergabefragen den Rücken. Wo rechtlich möglich, versuche die Stadt lokale Betriebe bevorzugt zu beauftragen.
Kammerpräsident Stamer fordert Transparenz und bessere Rahmenbedingungen
Auch Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, fand deutliche Worte. Angesichts geplanter Investitionen aus dem 2,1-Milliarden-Euro-Infrastrukturprogramm für Kommunen des Landes Schleswig-Holstein forderte er eine klare Zuordnung der Mittel: „Wir wollen wissen, wohin das Geld geht.“ Gleichzeitig mahnte Stamer einen konsequenten Bürokratieabbau, weniger sozialabgabenbedingte Kosten und fairen Wettbewerb an. Er erneuerte wie im Vorjahr die Kritik an städtischen Eingriffen in handwerkliche Bereiche und warnte davor, jahrzehntelang funktionierende Strukturen zu unterbrechen.
Positiv bewertete er die Entwicklung bei den Ausbildungszahlen: Die Zahl der neuen Lehrlinge im schleswig-holsteinischen Handwerk bleibe mit rund neuen 6.400 Ausbildungsverhältnissen stabil, entgegen Trends in akademischer Ausbildung und in Industrie und Handel. Er kritisierte allerdings die mangelnde Gleichberechtigung bei der universitären und handwerklichen Förderung: „Wir müssen betteln um jeden Euro.“
Text & Bild: A. Bury/Kreishandwerkerschaft MH